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Hier möchte ich ein paar meiner selbstgeschriebenen Geschichten veröffentlichen:

In der ersten geht es um die Freundschaft zwischen einem körperlich behinderten Mädchen und einem nicht-behinderten Mädchen...



Freundschaft

Als ich sie kennen lernte waren wir beide gerade sieben. Sie saß in ihrem Rollstuhl am Rande eines Spielplatzes. Ich war mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder dort. Zuerst beobachtete ich sie eine Weile. Es war befremdlich für mich ein Kind in einem Rollstuhl sitzen zu sehen. Sie sah traurig aus. Niemand wollte mit ihr spielen. Nach ein paar Minuten fasste ich einen Entschluss. Ich stand auf und ging zu ihr hin. „Hast du nicht Lust mit mir zu spielen?“, fragte ich sie etwas zögerlich. Sie schaute mich an und ihre Augen begannen zu leuchten. „Mama, darf ich mit dem Mädchen spielen?“ Ihre Mutter schaute erst etwas unsicher doch dann stimmte sie zu. Sie hob ihre Tochter aus dem Rollstuhl und setzte sie in den Sand. Wir bauten zusammen eine Burg aus Sand. „Wie heißt du eigentlich?“, fragte sie. „Laura. Und du?“ „Mareike“ „Warum musst du denn im Rollstuhl sitzen?“, wollte ich wissen. „Als ich zwei war bin ich mal auf die Straße gelaufen als meine Mutter nicht geschaut hat“, antwortete Mareike. „Ein Auto kam und hat mich angefahren.“ Ich versuchte mir vorzustellen wie es sein musste, wenn man nicht laufen kann. Es war schwer. „Ich habe eine Idee“, unterbrach Mareike meine Gedanken. „Lass uns spielen, dass in unserer Sandburg zwei Prinzessinnen leben.“ Ich fand die Idee sehr gut. Schnell holte ich zwei Playmobil – Figuren, die ich immer bei mir hatte. Wir waren so mit Spielen beschäftigt, dass wir gar nicht merkten, dass es immer später wurde. Als ich am Abend nach hause musste, tauschten wir noch schnell unsere Adressen und Telefonnummern aus und verabredeten uns für den nächsten Tag wieder auf dem Spielplatz.
Dieser Tag ist nun 15 Jahre her. Mareike und ich sitzen in meiner Wohnung am Küchentisch und wir schauen uns alte Fotos an. „Weißt du, ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir uns jemals gestritten haben“, sagt sie. Ich denke kurz nach. Es stimmt. Wir streiten uns nie. Obwohl viele Menschen uns gesagt haben, dass es bei so unterschiedlichen Menschen wie uns sicherlich früher oder später Konflikte geben würde. Aber sind wir wirklich so verschieden? Wir mögen die gleichen Filme, die gleiche Musik, gehen beide gerne beim Italiener essen und haben auch fast den gleichen Freundeskreis. Ich komme zu dem Entschluss, dass wir gar nicht so sehr verschieden sind.

Als wir zehn waren ist Mareike in ein Nachbarhaus gezogen. Von da an waren wir unzertrennlich. Trafen uns jeden Tag. Ich konnte es gar nicht erwarten, dass sie am Nachmittag endlich mit dem Bus aus der Schule kam. Mareike ging auf eine Sonderschule für körperlich und geistig behinderte Kinder. Sie hatte sich immer gewünscht auf eine Schule zu gehen auf der auch Kinder ohne Behinderung waren. Doch diese Schulen sind leider nicht Rollstuhlgerecht gebaut. Nachdem Mareike mit dem Bus nach hause gekommen war, gingen wir entweder bei mir oder bei ihr zum Mittagessen. Anschließend schob ich sie durch die Stadt oder wir setzten uns in den Garten. Bei schlechtem Wetter waren wir auch oft bei Mareike im Wintergarten. Dort spielten wir dann den ganzen Tag mit unseren Puppen oder mit Mareikes Meerschweinchen. Sie hatte ein hellbraunes Meerschweinchen mit dem Namen Pucki und ein schwarzes mit einem weißen Fleck über der Nase, das Lucy hieß.
Später, als wir schon etwa 13 Jahre alt waren und es im Sommer so richtig heiß wurde, sind wir zum Badesee gegangen. Dort haben wir den anderen beim schwimmen und plantschen zugeschaut. Mareike und ich saßen immer etwas abseits von den anderen. Mir machte es nichts aus, nicht mit den anderen im Wasser herumzutoben. So saßen wir stundenlang nur da, sprachen über die Schule oder andere Dinge und beobachteten die anderen. Oftmals wurden wir von den Leuten angestarrt. Sie starrten auf Mareike und auf ihre Beine Viele Jugendliche warfen uns dumme und oft auch sehr verletzende Sprüche an den Kopf. Mich machte das jedes mal sehr wütend. Mareike ignorierte die Sprüche und hielt mich immer zurück, wenn ich die Jugendlichen anfauchte. Sie ist die Ruhigere von uns beiden. Ich kann sehr aufbrausend werden, doch sie behält immer einen kühlen Kopf. Manchmal lag ich abends im Bett noch lange wach und dachte darüber nach, warum die Menschen nur so intolerant sind und nicht akzeptieren können, dass jemand nicht genau so ist wie sie. Für mich war Mareikes Behinderung nie ein Problem gewesen. Sie ist wie sie ist und so mag ich sie. Ich kann es nicht verstehen, dass andere ein Problem damit haben.

Mir fällt ein altes Klassenfoto in die Hände. „Schau, dort ist der Junge, in den du dich ml so schrecklich verliebt hattest.“ Ich verdrehe die Augen. „Erinnere mich bloß nicht an den. Der war doch schrecklich fies zu dir.“

Als wir 17 waren kam ein Junge zu uns in die Klasse in den ich mich sofort verliebt hatte. Der Junge hieß Matthias und sah richtig gut aus. Er hatte ein wunderschönes lächeln. Eines Tages fragte ich ihn ob er sich nicht mal mit mir treffen wolle und er stimmte zu. Wir wollten uns in der Stadt treffen. Zu diesem Treffen nahm ich Mareike mit. Alleine hatte ich Angst mich zu blamieren. Als wir in der Stadt ankamen stand Matthias schon am verabredeten Punkt. Ich war total aufgeregt. Er lächelte mich an. Plötzlich fiel sein Blick auf Mareike und sein Blick wurde gehässig. „Was hast du denn da für ein Anhängsel mitgebracht?“ Entsetzt schaute ich ihn an. „Das ist meine beste Freundin Mareike“, antwortete ich mit unsicherer Stimme. Was meinte er mit Anhängsel? Matthias fing an zu lachen. „Dieser Krüppel ist deine Freundin?“ Ich merkte wie mir die Tränen in die Augen stiegen. Ich war enttäuscht und wütend zugleich. Wie konnte er so über Mareike reden? Er kannte sie nicht einmal. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren drehte ich mich um und lief los. Mareike folgte mir. „Jetzt renn doch nicht so!“, rief sie mir hinterher. Aber ich blieb erst nach der nächsten Hausecke stehen. „Wie kann man sich nur so in einem Menschen täuschen?“, fragte ich keuchend als Mareike um die Ecke kam. „Ach lass ihn doch. Er ist es nicht wert, dass du ihm hinterher weinst“, versuchte sie mich zu trösten. Gemeinsam gingen wir nach Hause. In den ersten Tagen fand ich es schrecklich Matthias jeden Tag in der Schule zu begegnen. Ich hatte Angst, er würde wieder etwas gemeines über Mareike sagen. Doch nach und nach wurde er mir egal und ich ignorierte ihn einfach nur noch.

Mareike und ich fangen an zu lachen. „Erinnerst du dich noch an den Tag als wir Matthias zufällig zusammen in der Stadt getroffen haben?“ Ich nicke.

Er war damals mit seiner Freundin unterwegs. Sie saßen knutschend auf einer Bank. Ich wollte einfach vorbei gehen doch Mareike fuhr zu ihm hin und begrüßte ihn. „Na, hast du eine neue Freundin gefunden? Machst du auch mit ihr Schluss wenn sie mal einen Unfall hat und dadurch an den Rollstuhl gefesselt ist?“ Seine Freundin schaute ihn entsetzt an. „Hast du sie verlassen, weil sie im Rollstuhl sitzt?“ Verdattert schüttelte er den Kopf. „Ich kenne die gar nicht!“, schrie er wütend. „Ich habe keine Ahnung was die von mir will.“ Doch seine Freundin glaubte ihm nicht denn sie stand auf und ging davon. Matthias lief ihr hinterher, doch nicht ohne uns einen bitterbösen Blick zuzuwerfen. Mareike und ich gingen lachend weiter.

„Das geschah ihm recht“, sage ich. Mareike blätterte unterdessen weiter in dem Fotoalbum. „Schau mal, ein Foto von uns beiden und Peer.“ „Zeig mal.“ Ich beuge mich zu ihr herüber. Das Foto zeig drei junge Menschen, alle achtzehn Jahre alt, die fröhlich in die Kamera lachen. Zwei von ihnen sitzen im Rollstuhl. „War das nicht auf dem Straßenfest?“, frage ich Mareike. „Ja, da hast du mich doch mit Peer verkuppelt.“ Ich fange an zu grinsen. „Das war doch eine gute Tat von mir. Immerhin seit ihr jetzt verheiratet.“

Peer ist ein Junge aus Mareikes Schule. Sie hatte schon Wochen zuvor ständig von ihm geschwärmt. Als dann bei uns das Straßenfest veranstaltet wurde fand sie endlich den Mut ihn einzuladen. Peer war mir von Anfang an sehr sympathisch. Mareike und er würden wirklich gut zusammen, dachte ich damals. Ich merkte, dass auch Peer sehr von Mareike angetan war. Aber irgendwie hatte ich damals das Gefühl, dass keiner der beiden sich wirklich traute den anderen darauf anzusprechen. In meinem Eifer beschloss ich die Sache in die Hand zu nehmen. Wenn ich heute daran zurück- denke kommt mir das alles kindisch vor. Immerhin waren wir schon achtzehn und damit erwachsen doch damals fand ich das alles sehr spannend. Ich erklärte Peer, dass Mareike sich in ihn verliebt hätte und sich nicht trauen würde, ihm das zu sagen. Peer wurde ein wenig rot. „Ich finde sie ja auch ganz toll, aber ich traue mich nicht, ihr das zu sagen“, antwortete er verstohlen. „Wahrscheinlich fange ich dann an zu stottern und bringe kein Wort hervor.“ Wie ein kleiner Junge, der gerade ein Bonbon gemopst hatte, saß er vor mir. Ich musste mir ein Lachen verkneifen. „Jetzt komm schon“, sagte ich. „Sie wird dir schon nicht den Kopf abreißen. Mareike findet dich schließlich auch süß. Aber sie traut sich nicht dir das zu sagen. Also musst du das in die Hand nehmen, wenn dir etwas an ihr liegt.“ Ich schaue zu Mareike hinüber. Sie sitzt alleine in ihrem Rollstuhl, mit einer Cola in der Hand. „Jetzt mach schon“, ermutigte ich Peer. „Ok, ich mach’s.“ Mit diesen Worten rollte er zu Mareike. Ich blieb stehen und beobachtete die beiden. Sie sprachen länger miteinander und Mareikes Lächeln wurde immer breiter. Dann umarmten sie sich plötzlich. Ich freute mich riesig für die beiden. Zur Feier des Tages besorgte ich noch schnell drei neue Cola und wir stießen auf das neue Paar an. Wir saßen noch den ganzen Tag zusammen. Ich merkte schnell, dass Peer sehr fröhlicher Mensch ist und einfach nur Spaß am Leben hat. Er war wirklich der Richtige für Mareike.
Ein Jahr später haben Mareike und er geheiratet. Mareike fragte mich, ob ich nicht Trauzeugin sein wollte. Natürlich stimmte ich sofort zu. Sie feierten in der großen Stadtkirche. Mareike trug ein weißes Hochzeitskleid. Die Haare trug sie hochgesteckt. Sie strahlte über das ganze Gesicht als sie vor dem Traualtar standen. Peer sah eher etwas nervös aus. Sein Lächeln wirkte ein wenig verkrampft. Er trug einen schwarzen Anzug mit Krawatte. In dem Anzug sah er ein wenig fremd aus, weil ich ihn sonst nur in Jeans und T-Shirt kannte, aber sonst war er sehr chic. Es war alles in allem eine wunderbare Hochzeit. Und sie war auch ein wenig anders als die die ich bisher gesehen hatte. Fast die Hälfte der Hochzeitsgäste saß im Rollstuhl. Mich störte das allerdings nicht weiter. Auch die Blicke von den Leuten die an der Kirche vorbeigingen, als das Hochzeitspaar hinaus kam, ließen mich ausnahmsweise völlig kalt. Sollten sie doch schauen. Heute war Mareikes Tag und da wollte ich mich nicht über so etwas aufregen.

„Die Hochzeitsfotos sind wirklich super geworden.“ Mareike streicht mit dem Finger vorsichtig über die Bilder. „Früher hätte ich nie geglaubt, dass ich mal heiraten würde.“ „Tja, so kann es kommen“, seufze ich. „Jetzt tu nicht so, als hättest du noch keinen Mann“, lacht Mareike. „Immerhin bist du auch schon seit zwei Jahren mit Stefan verheiratet. Und ihr habt auch schon euren kleinen Luca.“ Mein Blick fällt auf ein Foto, das im Zimmer an der Wand hängt. Darauf ist eine kleine, glückliche Familie zu sehen. Ja, ich bin sehr stolz auf meine Familie. Und auf meine Freunde natürlich auch. Mareike schaut auf ihre Uhr. „So, ich muss jetzt langsam los. Peer kommt gleich aus dem Büro zurück.“ „Ist gut. Luca müsste auch jeden Moment aufwachen. Wir können ja am Wochenende ins Kino gehen. Stefan passt sicher auf Luca auf.“ Mareike nickt. „Lass uns doch vorher noch ein mal telefonieren.“ Ich begleite sie noch zur Tür. Ein Tag wie jeder andere geht zuende. Ich beginne, wie immer, das Abendessen vorzubereiten, weil gleich Stefan von der Arbeit nach Hause kommen müsste. Ich bin froh, dass ich Mareike kenne. Ohne sie wäre vieles in meinem Leben sicherlich anders gelaufen. Vielleicht würde ich ohne sie Menschen mit Behinderungen genau so anstarren wie die vielen Leute auf der Straße. Doch durch sie habe ich gelernt, dass Behinderte auch ganz normale Menschen sind.



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